Falldarstellungen seiner Schüler

Lymphozytäre Meningitis unklarer Genese

Dr. Eva Dibelka

Zusammenfassung

Eine hochakute lymphozytäre Meningitis konnte auf Grund von deutlichen Symptomen innerhalb von 24 Stunden ohne Folgesymptome oder Restbeschwerden mit Belladonna geheilt werden.

Summary:

A high acute lymphocytic meningitis was due to significant symptoms within 24 hours at no additional symptoms or permanent ailments cured with Belladonna.

Fallbeschreibung und Symptomatik

Maria P., eine 20-jährige Studentin, war 1992 das erste Mal wegen dreimalig auftretender Bewußtlosigkeit in meiner Praxis. Die damalige Repertorisation ergab Cannabis indica. Nach einer Gabe Cannabis indica XM waren keine derartigen Attacken mehr aufgetreten. Wegen ihrer seit Kindheit bestehenden Hausstaubmilbenallergie wollte sie sich nicht weiter behandeln lassen, da es für sie keinen Leidensdruck bedeute.

Am 24.8.2000 meldete sich die Mutter wieder in meiner Ordination. Maria sei in der vergangenen Nacht mit rasenden Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit ins Krankenhaus eingeliefert worden. Eine Rückenmarkspunktion sei gerade im Gang, ein Computertomogramm solle folgen.

Maria war bis vorgestern bei einer Freundin in Schweden. Nach einem Schwimmnachmittag bekam sie vor drei Tagen starke Schmerzen im Nackenbereich, die sie aber als Muskelkater abtat. Am nächsten Tag begann ein starker Kopfschmerz. Von einem Arzt bekam sie Schmerzmittel zum Heimfliegen.

Zu Hause angekommen, waren die Kopfschmerzen erst einmal besser, steigerten sich in der Nacht aber ins Unerträgliche.

Gegen 23 Uhr bekam sie einen Schüttelfrost und brauchte vier Decken. Gleichzeitig mit dem Schüttelfrost fing sie an zu schwitzen, obwohl ihr eigentlich gar nicht heiß war. Der Schweiß hatte keinen Geruch und bedeckte den ganzen Körper. Das Fieber lag bei 38,1 Grad Celsius axillär. Aufstehen konnte sie nur mit Mühe, da sie dabei ziemlich schwindlig wurde. Das hätte sie aber immer bei Fieber. In den letzten Tagen habe sie normal gegessen, es waren keine besonderen Vorlieben und Abneigungen zu erkennen. In der Nacht hat sie ziemlich viel heiße Zitronenlimonade getrunken, da ihr so kalt war.

Der Kopfschmerz liegt im Stirnbereich. Schmerzmittel haben bis jetzt nichts geholfen. Sie muß wegen des Kopfschmerzes die Augen schließen, obwohl ihr Licht eigentlich nicht viel ausmacht. Sie habe nämlich das Gefühl, sie sähe so verschwommen. Der Nacken schmerzt ebenfalls, er ist steif und sie kann den Kopf in alle Richtungen schwer bewegen. Durstig ist sie heute schon den ganzen Tag, sie trinkt oft, aber nur in kleinen Schlucken. Die Krankenschwester bringt ihr nur Tee. Heute keinen Stuhlgang. Das Fieber ist bei 38 Grad Celsius axillär, aufstehen darf sie wegen der Liquorpunktion nicht. Laut Mutter sind die Oberlider beidseits geschwollen. Maria schaut sehr müde aus, döst dahin.

Neurologisches Konsilium:

Eindeutige Anzeichen einer Meningitis. Es wurde das Antibiotikum Rozephin intravenös verabreicht.

Labor:

C-reaktives Protein 6,0; Blutkörperchen-Senkunggeschwindigkeit 21/44 mm; Liquorbefund: Eiweiß mit 68mg/ dl pathologisch, Zellzahl mit 458/3 Zellen hochpathologisch, Liquorzucker unauffällig. Die später eingetroffenen Befunde bezüglich Borrelien, Frühsommer-Meningoenzephalitis und Herpesviren waren unauffällig.

Hierachisierung

  1. Schwitzen im Fieberfrost
  2. Kopfschmerzen mit Nackenschmerzen
  3. Durst auf kleine Schlucke oft
  4. Schwindel während des Fiebers
  5. Kopfschmerzen mit Steifheit der Nackenregion
  6. Verschwommenes Sehen während des Kopfschmerzes
  7. Muß während der Kopfschmerzen die Augen schließen
  8. Verlangen nach Zitronenlimonade
  9. Schwindel beim Aufstehen aus dem Bett
  10. Schwellung der Oberlider
  11. Entzündung der Hirnhäute

Repertorisation

lymphozytaere-meningitis

Da Belladonna bei vielen der genannten auffallenden, sonderlichen Zeichen und Symptomen im Repertorium im zweiten oder im dritten Grad verzeichnet ist und es ein Arzneimittel ist, das mit großer Heftigkeit auf den Organismus einwirkt, scheint Belladonna die passende Arznei zu sein. Auch die Materia medica von Kent unterstützt meine Arzneimittelwahl.

Die erste Dosis Belladonna XM wurde um 19 Uhr eingenommen.

Telefonat um 22 Uhr:
Laut Mutter ist Maria viel frischer, sie hat sich vor einer halben Stunde aufgesetzt und nach ihrem Laptop verlangt, um etwas aufzuschreiben. Der Kopfschmerz ist derzeit weg, die Patientin fühlt sich besser.

Ich lasse zwei Globuli Belladonna XM in einem Viertel Liter Wasser auflösen. Maria soll bei der nächsten Kopfschmerzattacke einen Schluck davon nehmen.

Telefonat am nächsten Morgens um 8 Uhr:
Meine Patientin hat sehr schlecht geschlafen, war sehr unruhig und hat um
2 Uhr einmalig einen Schluck der Belladonna-Lösung gebraucht. Derzeit ist sie beschwerdefrei, das Fieber ist weg, es geht ihr bedeutend besser, sie ist aber schwach.

Telefonat um 18 Uhr:
Sie ist trotz des Verbots der Ärzte schon aufgestanden und fühlt sich wohl.
Da es ihr in den nächsten zwei Tagen sehr gut geht, verweigert sie auf mein Anraten eine weitere Liquorpunktion und verläßt gegen Revers das Krankenhaus. (Sie muß allerdings unterschreiben, daß sie mit jahrelangen Kopfschmerzen, epileptischen Anfällen bis hin zum Hirnabszeß mit Todesfolge rechnen muß.)

Vier Wochen nach der Gabe von Belladonna kommt ein starker Schub der Haustaubmilbenallergie mit Nießen, stark rinnender Nase und Nasenjucken für eine Woche. Da es aber wieder besser geworden ist, möchte die Patientin sich deswegen nicht behandeln lassen.

Beurteilung:

Ich war natürlich sehr glücklich über diesen raschen Heilungsverlauf. Da die Patientin eine starke Lebenskraft hatte, konnte sie Symptome hervorbringen, die eindeutig auf Belladonna hingewiesen haben. So konnte mit dem richtigen Arzneimittel eine so schnelle Heilung erzielt werden. Laut Materia medica von Kent ist ein „eigentümlicher Bestandteil“ der Überempfindlichkeit von Belladonna die große reaktive Erregbarkeit des Patienten. So ist auch die Reaktion auf die heilende Arznei beschleunigt, vor allem, wenn der Fall hochakut ist wie hier.

Da der Fall jetzt nach 15 Jahren publiziert wird, kann ich nur hinzufügen, dass die Patientin und über keinerlei Folgesymptome wie zum Beispiel Kopfschmerzen klagt.

Literatur:

  1. J. Künzli: Kent´Repertorium Generale, New Dehli
    Mac Repertory
  2. Kent: Lectures on Homoeopathic Materia Medica

Die Autorin:

Dr. Eva Dibelka
Ärztin für Allgemeinmedizin
Altmünster, Österreich
www.eva@dibelka.at

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