Falldarstellungen seiner Schüler

Pneumonie

Erika Anzenbacher

Erste Konsultation im Wochenenddienst am 27.1.90:

Ein anderthalbjähriger Junge, geboren im Mai 1988, hat seit vier Tagen starken Husten Tag und Nacht. Anhaltend Fieber um 40o C. Schläft viel. Kalte Füße. Viel Durst auf Kaltes, auch nachts.

Die Mutter war bisher mit dem Kind in schulmedizinischer Behandlung und kann sonst keine Beobachtungen angeben. Die Vorgeschichte: Im letzten Jahr schon dreimal starke Bronchitis, jeweils mit Clamoxyl behandelt. Seit der letzten Bronchitis im Oktober 1989 sei das Kind nie mehr richtig gesund gewesen. Zahnung erst ab 12. Monat. Guter Appetit vor Erkrankungen, immer viel Durst auf kalte Getränke. Gerne Schnuller. Läßt sich ungern waschen. Ausgeprägtes Verlangen nach Süßem.

Aufgrund der wenigen Symptome und der häufigen Unterdrückung entscheide ich mich für Sulfur M.

Die folgende Nacht und der nächste Tag scheinen eine Besserung zu bringen, tagsüber um 37,5o Temperatur, weniger Husten, abends wieder 39 Grad. Am zweiten Tag untertags wieder 38 Grad,  am Abend sogar 40 Grad.

 

Deshalb neuerliche Konsultation am 30.1.1990. Das Bild ist nun klarer, die Mutter hat mehr beobachtet:

  1. auffallende, sonderliche Zeichen und Symptome nach § 153 Organon:
  1. deutliche Nasenflügelatmung, „nose, motion of wings constant, fan-like, in pneumonia“: eine „Punkt-Rubrik“;
  2. Durst auf große Mengen Flüssigkeit, „stomach, thirst, large quantities, for“:
    ebenfalls eine „Punkt-Rubrik“;
  1. gut beobachtete Geistes- und Gemütssymptome:
  1. auffallende Apathie im Fieber, „mind, indifference, fever, during“;
  1. Allgemeinsymptome:
  1. Schläfrigkeit bei Fieber, „sleep, sleepiness, heat, during“,
  2. Continua, „fever, continued“;
  3. trockene Hitze, „fever, dry heat“;
  1. Lokalsymptome:
    1. Pneumonie bei Kindern, „chest, inflammation, lungs, children“;
    2. Bronchopneumonie beider Unterlappen, „chest, inflammation, lungs, lower lobe“.

Das Kind erhält Phosphor M in der Ordination.

Der weitere Verlauf

Bereits während der Heimfahrt – die Familie wohnt eine Stunde Autofahrt weit entfernt – wird das Kind deutlich lebhafter. Am nächsten Morgen fieberfrei.  Ab 31.1. kaum mehr Husten, am 2.2. wirkt das Kind wieder ganz gesund.

Bericht am 4.3.1991

 Das Kind war das ganze Jahr vollkommen gesund. Kein Infekt. Nun aber, seit dem 28.2., wieder Husten Tag und Nacht, Temperaturen zwischen 39o und 40o C. Trockene Hitze. Auskultatorisch ausgedehnte Bronchopneumonie beidseits. Viele Symptome wie oben. Zusätzlich bzw. wieder:

  1. auffallende, sonderliche Zeichen und Symptome nach § 153 Organon:
  1. Nasenflügelatmen, „nose, motion of wings constant, fan-like, in pneumonia“;
  2. beim Husten dreht er sich auf die rechte Seite, „cough, lying, side, turning to right side amel.“;
  1. gut beobachtete Geistes- und Gemütssymptome:
  1. auffallende Apathie im Fieber, „mind, indifference, fever, during“;
  1. Allgemeinsymptome:
    1. will nur rechts liegen seit Erkrankung, „sleep, position, side, right side on“.

Das am meisten ins Auge fallende Symptom ist, wie auch schon 1990, die fast beängstigende Apathie, das Kind wirkt fast leblos. Schlechter Allgemeinzustand, offener Mund, das Kind hat Adenoide.

Das Kind erhält die nächste Dosis Phosphor M.

Verlauf

Das Fieber sinkt schon am Abend, ab dem 3.Tag ganz fieberfrei, lebhaft, nur noch wenig Husten. Kontrolle nach einer Woche: Pulmo ganz frei, wirkt frisch, nur noch ganz geringer Husten.

 

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